Sänger

Als Manfred Jung wurde ich in Oberhausen-Rhld. geboren. In dieser Stadt, mitten im Ruhrgebiet, wuchs ich auf. Bevor ich mich einer künstlerischen Tätigkeit zuwenden konnte, erlernte ich den Beruf des Starkstrom-Elektrotechnikers.

Meinen ersten Kontakt mit dem Theater hatte ich als Beleuchter am Theater der Stadt Essen. Von dort aus ging es an die Folkwang-Hochschule Essen. Dort studierte ich bei Frau Prof. Hilde Wesselmann Gesang. Staatliches Examen 1968.

Das Jahr 1963 brachte mir die erste Mitwirkung bei den Bayreuther Festspielen, nicht als Sänger, sondern auf Einladung der technischen Direktion als Beleuchter.

Mein erster Auftritt in Bayreuth war aus Anlass des internationalen Jugend-Festspieltreffens in der Oper “Die Feen” mit der Partie des Arindal von Richard Wagner im Jahre 1967 in der Stadthalle.

Wilhelm Pitz, der große Chormeister des Bayreuther Festspielchores, lud mich 1970 zur Mitwirkung in den Chor ein, nach seinem Tod wurde Prof. Norbert Ballatsch Leiter des Festspielchores, unter dessen Leitung ich noch zwei Jahre, bis 1973, mitsingen durfte.

Nach Abschluss meines Studiums 1968 wurde ich an die Kölner Kammeroper engagiert. Es folgte von 1971 bis 1975 ein Engagement am Musiktheater der Stadt Dortmund. In dieser Zeit sang ich in 374 Vorstellungen 27 verschiedene Tenorrollen. Es waren so interessante Aufgaben dabei, wie u.a. Tamino aus “Die Zauberflöte”, Hans aus “Die verkaufte Braut”, Barinkay aus “Der Zigeunerbaron”.

Der Weg führte mich von Dortmund in die Pfalz, an das Theater der Stadt Kaiserslautern. Hier warteten auf mich der Max aus “Der Freischütz”, die Partie des Lenski aus “Eugen Onegin” sowie die Partie des Don José aus “Carmen”.

Bei den Salzburger Osterfestspielen 1975 war ich Mitwirkender bei der Aufführung “Die Meistersinger von Nürnberg”, unter der Leitung von Herbert von Karajan.

1975 sang ich das erste Mal in Jerusalem. In hebräischer Sprache kam die Oper “Die Jüdin” von J. Fr. Halévy zur Aufführung, in der ich die Partie des Eléazar sang. Diese Partie war die letzte dargestellte Rolle des legendären italienischen Tenors Enrico Caruso in New York an der Metropolitan Opera 1920.

Im Januar 1976 wurde mir vom Intendanten der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, Herrn Prof. Dr. Barfuß, die Partie des Loge in “Das Rheingold” anvertraut. Nach diesem Gastspiel erhielt ich vom Generalintendanten einen Vertrag, der mit dem Ausscheiden von Herrn Prof. Dr. Barfuß im Jahre 1988 endete.

Im April 1976 sang ich das erste Mal in der Oper “Parsifal” die Partie des Parsifal im Theater der Stadt Wuppertal.

Noch im selben Jahr, November 1976, hatte ich meine Premiere der “Götterdämmerung” mit der Partie des Siegfried im Staatstheater Saarbrücken.

Ende November durfte ich in Berlin in der Oper “Der Freischütz” unter dem Dirigat von Eugen Jochum den Max singen. Herr Jochum empfahl mich nach dieser Vorstellung dem Leiter der Bayreuther Festspiele, Herrn Wolfgang Wagner. Einer Einladung vom Chef des Grünen Hügels in Bayreuth folgte ich gerne und wurde für die Festspiele 1977 als Siegfried in “Götterdämmerung” engagiert.

Als Siegfried in der “Götterdämmerung” sang ich in dem sogenannten Jahrhundertring 1977, unter der musikalischen Leitung von Pierre Boulez und in der Regie von Patrice Chéreau.

Im gleichen Jahr durfte ich für einen erkrankten Kollegen die Partie des Parsifal in der Oper “Parsifal” kurzfristig übernehmen. Das Dirigat lag in Händen von Horst Stein, die Inszenierung hatte Herr Wolfgang Wagner persönlich.

Im Jahre 1977 wurde mir von der Redaktion der Musikzeitschrift “Orpheus” der Kritikerpreis DAS GROSSE LOB 1977 als bester männlicher Darsteller verliehen. Bei den Damen wurde die berühmte italienische Sängerin Mirella Freni ausgezeichnet.

Das Staatstheater Karlsruhe bot mir 1978 die Möglichkeit, die Partie des jungen Siegfried im “Siegfried” das erste Mal zu singen, unter der Leitung von Christof Prick.

Die berühmt gewordene Ring-Aufzeichnung aus dem Bayreuther Festspielhaus begann 1979 mit dem Musikdrama “Götterdämmerung”. 1980 folgte dann “Siegfried” sowie die Werke “Die Walküre” und “Das Rheingold”.

Mein erster Auftritt in der Carnegie-Hall in New York fand 1980 in einer konzertanten Aufführung “Die Walküre” mit Jessy Norman als Partnerin statt, in der ich den Siegmund sang.

Die Wiener Staatsoper engagierte mich 1981 aus Anlass der Neuinszenierung des Musikdramas “Die Walküre” unter der Leitung von Zubin Mehta als Siegmund.

Das Debüt an der legendären Metropolitan Opera in New York fand 1981 statt. Birgit Nilsson war die Brünnhilde und ich sang den Siegfried in “Götterdämmerung”.

Eine bedeutende Auszeichnung erhielt ich 1982 mit der Verleihung des GRAMMY AWARD für die Einspielung des Musikdramas “Der Ring des Nibelungen” unter Pierre Boulez in der Partie des Siegfried in “Siegfried” sowie Siegfried in “Götterdämmerung”.

Im Bayreuther Festspielhaus war ich 1983 in der Inszenierung von Peter Holl und dem Dirigat von George Solti als Loge in “Das Rheingold” sowie Siegfried in “Siegfried” und “Götterdämmerung” auf der Festspielbühne in Aktion.

Die Partie des Siegfried in “Götterdämmerung” hatte ich kurzfristig übernommen und die Partie des Siegfried in “Siegfried” musste ich ohne Proben für den erkrankten Kollegen übernehmen. Dieser Ring war von 1983 bis 1986 im Spielplan der Festspiele.

1984 fand die erste weltweite Ausstrahlung der TV-Serie “Richard Wagner”, in der Regie von Toni Palmers, statt. Richard Burton verkörperte in dieser Serie die Person Richard Wagners. In diesem Film durfte ich die Rolle von Georg Unger, dem ersten Siegfried der Bayreuther Festspiele 1876, darstellen.

Das Jahr 1985 brachte mir die Begegnung mit der großartigen Partie des Othello in der Oper “Othello” von Verdi in deutscher Sprache am Landestheater der Stadt Kiel.

Mein erster Auftritt in einem der schönsten Theater der Welt war 1986 in Dresdens weltberühmter Semper Oper, in einem Gastspiel als Tambourmajor in der Oper “Wozzeck” von Alban Berg.

In der ewigen Stadt Rom wurden 1986 in der legendären Accademia Nazionale di Santa Cecilia die Gurre-Lieder von Arnold Schönberg unter der musikalischen Leitung von Giuseppe Sinopoli zur Aufführung gebracht.

In Augsburg fand 1987 die deutsche Erstaufführung des “Requiems” von Andrew Lloyd Webber statt.

Einige Jahre später habe ich dieses Werk selber als Dirigent in Herne geleitet.

Ebenfalls im Jahr 1987 gastierte ich mit der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg in Moskau am Bolschoi-Theater mit “Der Freischütz” als Max sowie “Die Walküre” als Siegmund.

Im selben Jahr sang ich die 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven in Santiago de Chile.

Bei der ersten “Der Ring des Nibelungen”-Inszenierung in Warschau war ich als Loge in “Das Rheingold” sowie als Siegmund in “Die Walküre” dabei. Inszenierung August Everding 1988.

1989 gastierte ich mit der Württembergischen Staatsoper Stuttgart in Leningrad/St. Petersburg-Russland, mit der Oper “Salome” von Richard Strauss als Herodes.

Erstes Zusammenwirken mit dem Gewandhausorchester Leipzig 1989 am Opernhaus, in der Geburtsstadt Richard Wagners, als Tristan mit dem Musikdrama “Tristan und Isolde”.

Erste Ausstrahlung eines Porträts im Westdeutschen Fernsehen “Siegfried seliger Held”, Karfreitag 1989.

Mitwirkung beim Festival Due Mondi Spoleto Italien/Charlston USA in der Oper “Elektra” von Richard Strauss in der Partie des Aegisth 1990.

Eine großartige künstlerische Herausforderung war das Engagement durch Herrn Wolfgang Wagner, den Mime in “Das Rheingold” sowie Mime in “Siegfried” in der neuen Inszenierung von Alfred Kirchner und dem Dirigenten James Levine zu singen. Dieser Ring wurde im Festspielhaus von 1994 bis zum Jahre 1998 aufgeführt.

Somit war ich einer der wenigen (seltenen) Sängerdarsteller, der alle Tenorpartien in Richard Wagners “Der Ring des Nibelungen” gesungen hat.

Das Staatstheater Kassel plante 1997 eine Neuinszenierung vom Ring des Nibelungen. Hier wurde ich auch als Mime für beide Musikdramen engagiert. Von diesem Ring ist eine sehr interessante CD-Gesamtaufnahme erschienen.

Im Jahre 2000 wurde in der Beethoven-Halle zu Bonn das großartige Werk von Krzysztof Penderecki PASSIO ET MORS DOMINI NOSTRI IESU CHRISTI SECUNDUM LUCAM in einer Fernseh-Direktsendung am Karfreitag aufgeführt. In diesem Werk hatte ich die Rezitation übernommen.

Feste Gastspielverträge: Metropolitan Opera New York, Staatsoper Wien, Staatsoper Hamburg, Württembergisches Staatstheater Stuttgart, Staatsoper München, Staatstheater Karlsruhe.

Operngastspiele und Konzerte, u.a. in Tokyo, Osaka, Kyoto, Paris, Madrid, Toronto, Sofia, Ostberlin, Barcelona, Brüssel, Stockholm, Triest, Turin, Monte Carlo, Zagreb.

Zusammenarbeit mit bekannten Dirigenten, u.a. Gerd Albrecht, Pierre Boulez, Garry Bertini, Christoph von Dohnányi, Kurt Eichhorn, Herbert von Karajan, Eugen Jochum, Berislav Klobucar, James Levine, Erich Leinsdorf, Zubin Mehta, Lovro von Mata?i?, Christof Prick, Wolfgang Sawallisch, George Solti, Horst Stein, Peter Schneider, Giuseppe Sinopoli, Wilhelm Schüchter, Silvio Varviso, Hiroshi Wakasugi und Charles Mackerras.

Weitere künstlerische Tätigkeiten:

  • Lehrtätigkeit mit Studierenden im Fach Gesang
  • Unterrichtung und Betreuung internationaler Opern- und Konzertsänger
  • Mehrere Jahre Lehrtätigkeit an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart
  • Tiroler Festspiele 1999: Betreuung der Sänger für die Festspielaufführungen “Messa da Requiem” von Giuseppe Verdi, “Ein deutsches Requiem” von Johannes Brahms sowie die Oper “Siegfried” von Richard Wagner
  • Frühjahr 2000 Gastkurs an der Universität/Musikhochschule Graz
  • 2002 Meisterkurs an der Folkwang-Hochschule Essen

Diese biographischen Daten sind Auszüge aus meinem Leben als Musiker, die mir auf meinem Weg bis heute viel bedeuten.

Ebenso wichtig waren Fernseh-Produktionen im In- und Ausland sowie CD-Aufnahmen, u.a:

Der Ring des Nibelungen
Richard Wagner, Bayreuther Festspiele 1980
Gurre-Lieder
Arnold Schönberg, Berlin Classics 1997
Der Ring des Nibelungen
Richard Wagner, Staatstheater Kassel 1998
Lucas Passion
Krzysztof Penderecki, Bonn 2000
Dreigroschenoper
Kurt Weill, Schwan Verlag Koch 1990

Im Sommer 2006 leitete ich bei den Musik-Kurswochen Arosa einen Meisterkurs für Gesang. Der Klavierpartner war Tobias Krampen.

Seit Sommer 2006 bin ich Künstlerischer Leiter der Jungen Musiker Stiftung, die ihren Sitz in der Richard Wagner Festspielstadt Bayreuth hat.

Wenn Sie mehr über die Ziele und Angebote der Stiftung erfahren möchten, dann können Sie sich unter www.junge-musiker-stiftung.de informieren.